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Landesregierung im DLRG-Interview

Veröffentlicht: 12.10.2026
Autor: DLRG Landesverband Baden e.V.
Foto: Marcel Ditrich

Innenminister und stv. Ministerpräsident Manuel Hagel

Hitzewelle, Extremwetterereignisse, Ehrenamt, Finanzierung: Im Gespräch mit der Lebensretter-Redaktion beantwortet der Innenminister und stellvertretende Ministerpräsident, Manuel Hagel (CDU), drei Fragen zu den politischen Zielen der neuen baden-württembergischen Landesregierung.

Die jüngste Hitzewelle hat bundesweit zu zahlreichen Badeunfällen und einem hohen Einsatzaufkommen für DLRG, Feuerwehr und Rettungsdienste geführt. Welche Lehren zieht die Landesregierung daraus für den Schutz der Menschen an und im Wasser?

Innenminister Hagel: „Baden-Württemberg hat einen starken Bevölkerungsschutz – das liegt vor allem an den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Wenn die Menschen bei hohen Temperaturen Abkühlung im Wasser suchen, ist die DLRG besonders gefragt. Hier engagieren sich viele helfende Hände tausende Stunden im Jahr, um Menschen und Tiere aus lebensgefährlichen Situationen im und am Wasser zu retten. Ihre Arbeit beginnt aber lange vor dem Ernstfall: Vom Seepferdchen-Kurs über den Wachdienst am Badesee bis hin zum Katastrophenschutz – die DLRG rettet Leben, bevor etwas passiert. Insbesondere Hitzewellen stellen uns aktuell vor neue Herausforderungen. Um im Ernstfall schnell und professionell reagieren zu können, müssen alle Rädchen ineinandergreifen und alle müssen gemeinsam anpacken - Land, Kommunen, Verbände Schulen und Bäderbetreiber. Und das tun wir. Mein Dank gilt allen, die in solchen Einsatzlagen verlässlich für die Sicherheit der Menschen sorgen!“

Die DLRG übernimmt als Sonderrettungsdienst eine zentrale Aufgabe der Gefahrenabwehr und investiert zugleich erhebliche ehrenamtliche Ressourcen. Wie wollen Sie eine langfristig verlässliche Finanzierung dieser Aufgabe sicherstellen?

Innenminister Hagel: „Für mich ist der Wasser-Rettungsdienst unverzichtbarer Teil der Sicherheitsarchitektur im Land. Unverzichtbar heißt aber auch, dass damit die Finanzierung des Wasser-Rettungsdienstes verlässlich einhergehen muss. Im letzten Jahr haben wir für den Rettungsdienst über 3,7 Mio. Euro an die DLRG ausgereicht. Das war wichtig, weil damit zum Beispiel der lange geplante Neubau, der Umbau, die Erweiterung oder die Sanierung von Wasserrettungswachen und die Beschaffung von Fahrzeugen und Booten in die Realität umgesetzt werden konnten.

Zuschüsse für Ausbildung und die Unterhaltungskosten von Fahrzeugen oder Personalkosten des hauptamtlichen Personals unterstreichen unsere hohe Wertschätzung für die Arbeit der DLRG. Und selbstverständlich investieren wir hier auch in die Zukunft – in die Wasserrettung und in die Sicherheit der Menschen in unserem Baden-Württemberg. So wie wir es auch in den letzten zehn Jahren getan haben – da flossen über 100 Mio. Euro in den Katastrophenschutz. Sie sehen viele Zahlen. Sorry dafür – aber ich finde von Wertschätzung zu reden reicht halt allein nicht aus. Wenn man es ernst meint, müssen auch Taten folgen. Das wollte ich jetzt einfach kurz nachweisen.“

Die Grenzen zwischen klassischer Wasserrettung und Katastrophenschutz werden durch Extremwetterereignisse zunehmend fließend. Welche Rolle soll die DLRG künftig im Gesamtsystem des Bevölkerungsschutzes in Baden-Württemberg einnehmen?

Innenminister Hagel: „Ich sag mal so: Wenn es um fließende Grenzen geht, ist diese Aufgabe bei unserer DLRG in guten Händen. Extreme Wettereignisse, Hochwasser, Hitzewellen, Cyberangriffe und internationale Spannungen sind ganz reale Szenarien. Unsere Feinde bedrohen uns hier ganz konkret. Nicht erst die letzten Wochen haben gezeigt, dass aus diesen Drohungen jetzt ganz konkrete Anschläge bei uns im Land werden. Deshalb rüste ich unsere Sicherheitsarchitektur gerade auf jeder Ebene für diese neue Welt.

Krisen sind nicht mehr abstrakt, sie sind ganz konkret, manchmal direkt an Orten, wo wir sie niemals vermutet hätten – bis hinein in die kleinsten Dörfer. Deshalb bereiten wir uns auf den Ernstfall vor. Das ist unser ‚Baden-Württemberg-Weg‘ – gemeinsam und mit vereinten Kräften die Menschen bei uns im Land zu schützen und zu beschützen. Wasserrettung, Feuerwehr, Polizei und alle anderen im Bevölkerungs- und Katastrophenschutz ziehen alle an einem Strang. Lassen Sie mich bei der Gelegenheit bitte einmal mehr unterstreichen, dass wir all das ohne zehntausende von ehrenamtlichen Katastrophenschützern im Land nicht packen würden. Jede und jeder Einzelne leistet Großartiges und ist für mich ein Held. Ich danke allen von ganzem Herzen.

Die Übergänge zwischen den Aufgaben im Rettungsdienstgesetz und denen im Landeskatastrophenschutzgesetz sind dabei tatsächlich fluide. Entscheidend ist letztendlich die Einschätzung, ob eine außergewöhnliche Einsatzlage oder eine Katastrophe vorliegt. Wichtig ist, der Bevölkerungsschutz in Baden-Württemberg verbindet Menschen, stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und macht Mut, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Denn genau das ist das Fundament des Bevölkerungsschutzes: gemeinsames Handeln, vorausschauendes Denken und gegenseitige Unterstützung. Das haben wir vor allem den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern zu verdanken! Ihnen allen möchte ich Danke sagen und meine Anerkennung aussprechen! Denn eins ist klar: Wir werden sie alle auch in Zukunft brauchen.“

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Was kommt am Wasser an? - Die neue Landesregierung, ihre Ziele und die Anliegen der DLRG

Die neue Landesregierung steht vor einer angespannten Haushaltslage, wirtschaftlichen und geopolitischen Krisen, einem erheblichen Sanierungsstau und wachsenden Finanzproblemen der Kommunen. Zugleich soll sie die nachhaltige Transformation des Landes vorantreiben, dessen Resilienz angesichts neuer Bedrohungslagen stärken, Verwaltung modernisieren und Bürokratie abbauen. Es sind große Aufgaben, die den Koalitionsvertrag prägen.

Doch welchen Platz nehmen darin Schwimmausbildung, Bäder, Wasserrettung und Ehrenamt ein? Auf den ersten Blick mögen sie neben Wirtschaftskrise, Sicherheitspolitik und klammen Kassen wie „weiche“ Randthemen erscheinen. Tatsächlich berühren sie aber zentrale politische Fragen: Bildung und Prävention, kommunale Daseinsvorsorge, einen leistungsfähigen Bevölkerungsschutz und die Zukunft der Zivilgesellschaft.

Viele Forderungen aus der Praxis haben ihren Weg in den Koalitionsvertrag gefunden. Auch die DLRG hat ihre Erfahrungen in den politischen Austausch eingebracht. Nun richtet sich der Blick auf die Umsetzung: Was folgt aus den Vereinbarungen – und was davon kommt tatsächlich am Wasser an?

Teil 1 der Serie: Interview mit Sportministerin Teresa Schopper & Kultusminister Andreas Jung (09/26)

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