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Wettkampf, Landesverband

Dreifache Weltmeisterin mit 81 Jahren

Veröffentlicht: 16.01.2023
Autor: DLRG Landesverband Baden e.V.
Margarete Beideck mit ihren Medallien von der WM 2022 in Riccione (IT).
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Video: Margarete Beideck im Gespräch

Margarete Beideck brachte drei Goldmedallien von der Livesaving-WM in Riccione (IT) nach Hause

81 Jahre alt, Schwimmerin, mehrfache Weltmeisterin im Rettungsschwimmen, Weltrekordhalterin und Aushängeschild der DLRG Ortsgruppe Durlach. Wir haben die Ausnahmeathletin Margarete Beideck im Karlsruher Fächerbad zum Interview getroffen und mit ihr über ihre größte Leidenschaft gesprochen, was sie antreibt und was es für sie bedeutet, ein Teil der DLRG zu sein.

Frau Beideck, wie sind Sie überhaupt zum Schwimmen gekommen?

Als meine jüngste Tochter aus dem Haus war, da war ich 53 Jahre alt, hatte ich das Gefühl, dass ich eine neue Aufgabe – eine Herausforderung brauche, ein Hobby – irgendwas. Und da ich schon als Kind, bis zu meinen 16. Lebensjahr, aktive Schwimmerin war – habe ich mir einen Schwimmverein gesucht. Zwei Jahre später bin ich dann schon die ersten Wettkämpfe geschwommen.

Und wie sind Sie dann zur DLRG und zum Rettungsschwimmen gekommen?

Das war im Jahr 2006, da habe ich beim 24 Stunden Schwimmen teilgenommen, wo ich mit Pausen, insgesamt 30 Kilometer geschwommen bin. Beim abschließenden gemeinsamen Frühstück hat mich dann jemand von der DLRG angesprochen und gesagt, dass Sie jemanden wie mich sehr gut gebrauchen könnten. Und ich war neugierig - die neuen Herausforderungen, also die verschiedenen Disziplinen beim Rettungsschwimmen haben mich sehr gereizt – also bin ich der Einladung, doch einmal beim Training vorbeizuschauen, gefolgt – und was soll ich sagen, es war genau mein Ding.

Und wie, denn seit ihrer ersten Weltmeisterschaft im Jahr 2008 räumen Sie bei den zweijährigen Wettkämpfen so richtig ab. Bei der letzten WM in Italien waren es sogar drei Goldmedaillen. Was treibt Sie jedes Mal aufs Neue an?

Ich habe natürlich auch mal Tage, an denen ich keine Lust habe ins Wasser zu gehen und zu trainieren, aber ich raffe mich immer auf, weil ich mich nach dem Training immer sehr gut und zufrieden fühle – und ehrlich gesagt, ist es auch nichts für mich jeden Abend vor dem Fernseher zu sitzen. Und wenn ich an einem Wettkampf teilnehme, möchte ich auch mein Bestes geben und das geht nun mal nur mit regelmäßigem Training. Wenn es dann eine Medaille wird – der Moment, in dem sie mir umgelegt wird, das ist schon sehr besonders und emotional.

Was waren bisher Ihre schönsten Erlebnisse?

Eigentlich ist jeder Wettkampf etwas Besonderes. Denn das Schwimmen hat mir quasi die Welt eröffnet. Mein Mann und ich sind nie in den Urlaub gefahren – wir haben immer nur gearbeitet, auf dem Feld und im eigenen Betrieb. Das hole ich durch den Sport jetzt nach. Wenn ich einen besonderen Moment herauspicken müsste, war das mit Sicherheit die WM 2010 in Ägypten – mein erstes Mal am Meer. Ich bin immer über die Wellen drüber gehüpft, bis man mir gesagt hat, ich müsse unter ihnen hindurchtauchen. (lacht) 2016 in Holland dann, habe ich meinen ersten Weltrekord gemacht, im Lifesaving. Und die beiden Wettkämpfe in Australien 2012 und 2018, wo ich zwei Mal Silber geholt habe – da habe ich jedes Mal ein paar Tage Urlaub drangehängt, um mir das Land anzuschauen – auch das waren besondere Momente, die ich nie vergessen werde.

Gab es auch schlimme Erlebnisse in Ihrer Schwimmkarriere?

Ein sehr schmerzhaftes Erlebnis war der Sehnenabriss an meiner rechten Schulter, den ich mir an Weihnachten im Jahr 2013 zugezogen habe. Ich bin nicht sehr schmerzempfindlich, aber das war echt schwer auszuhalten. Zunächst wurde ich mit Spritzen behandelt, weil der Arzt meinte in meinem Alter würde man nicht mehr operieren – ich war damals 71. Ich bin Schwimmerin, habe ich ihm gesagt, ich möchte wieder schwimmen. Daraufhin habe ich mir eine Zweitmeinung eingeholt, in letzter Sekunde sozusagen, denn hätte man mit der Operation noch länger gewartet, wäre es nicht mehr möglich gewesen die Sehne wieder anzunähen. Das war übrigens nur nach so langer Zeit, über vier Monate nach dem Riss, überhaupt noch möglich, weil meine Muskulatur nicht verfettet war, was ich dem Schwimmen zu verdanken hatte.

Sie haben dem Schwimmsport sehr viel zu verdanken, oder?

Ja, das habe ich. Es ist mein Leben, es ist etwas, dass ich nur für mich mache – für die Seele, aber auch um mich fit zu halten. Und Dank der DLRG bin ich in einer Gemeinschaft und das ist in meinem Alter etwas sehr wichtiges – soziale Kontakte. Neben dem Training treffen wir uns zu Sommerfesten, Weihnachtsfeiern oder anderen Veranstaltungen – das ist einfach immer schön mit den Vereinskollegen zusammenzukommen. Natürlich habe ich meine Familie und mit 5 Kindern und 11 Enkelkindern ist diese sehr groß, aber man braucht eben auch Freunde im gleichen Alter, mit gleichen Interessen und das alles finde ich da. Zudem bin ich stolz ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein – ich finde die DLRG leistet einen sehr wichtigen Beitrag in unserer Gesellschaft, mit den Kinderschwimmkursen ebenso wie mit den Rettungseinsätzen. Es ist wirklich Wahnsinn und das alles ehrenamtlich.

Apropos stolz – ihre Familie ist mit Sicherheit auch sehr stolz auf Sie!?

Ja, und wie. Allen voran mein Mann, auch wenn es ihm nicht immer passt, wenn ich so lange unterwegs bin. (schmunzelt) Aber ich reise ja nicht allein. Diesmal, bei der WM in Italien, haben mich mein Enkel Etienne und seine Freundin Julie begleitet – meine beiden Manager. (lacht) Es war schön die beiden dabei zu haben. Und mit drei Goldmedaillen im Gepäck, war der Empfang bei unserer Rückkehr ganz besonders euphorisch.

Sie haben schon so viel erreicht – was haben Sie noch für Ziele?

Ich brauche immer ein Ziel, also generell im Leben, sonst geht es gar nicht. Ich möchte auf jeden Fall noch bei einer EM und einer WM mit dabei sein. Die deutschen und baden-württembergischen Meisterschaften, möchte ich noch so lange schwimmen, wie es mein Arthrose Knie zulässt. Das ist der Nachteil am Älterwerden, das der Körper langsam abbaut. Nicht nur mein Knie macht mir zu schaffen, auch meine gekrümmte Haltung, die wahrscheinlich durch eine Spinalkanalstenose, eine Verengung des Kanals der Wirbelsäule, verursacht wird. Damit habe ich ehrlich gesagt etwas zu kämpfen und oft geniere ich mich deswegen – nur im Wasser ist davon nichts zu sehen. Es ist einfach mein Element.

Wie war es denn für Sie während der Pandemie, als Sie auf ihr Element verzichten mussten? Und wie erleben Sie die aktuelle Energiekrise, bzw. die Bäderschließungen, die daraus resultieren?

Als die Bäder zu Beginn der Corona Krise geschlossen haben, das war ehrlich gesagt eine ziemlich harte Zeit für mich. Mir hat das Wasser, der Sport, der Ausgleich sehr gefehlt. Ich war jedenfalls sehr froh, als die Bäder wieder öffnen durften. Zum Glück sind die Bäder, in denen ich trainiere, nicht von Schließungen durch die steigenden Energiepreise betroffen, deshalb kriege ich persönlich nicht so viel davon mit. Und solange die Bäder offen sind und die Duschen einigermaßen warm sind, werde ich auch weiterhin vier Mal pro Woche ins Training gehen.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute!

Das Interview führte Caroline Carnevale im Dezember 2022.

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